Platz versenkt!

Es ist kein Geheimnis, dass unser Umgang mit Dingen und Konsumgütern nicht gerade Ausdruck von ökologischem Verantwortungsbewusstsein ist. Im Durchschnitt besitzt jeder Deutsche 10.000 Dinge – Klamotten, Möbelstücke, Pflegeutensilien, Haushaltsgeräte, Dekorationsartikel, Sport- und Spielgeräte, Souvenirs, Krimskrams, viel Plastik. Im Zuge der Ausstellung 4 Wände stellte sich die Frage, was wir davon wirklich brauchen – und wie man sich diese Frage ernsthaft, aber ohne moralischen Zeigefinger, stellen kann.

Konzept

Nichthaben als Statussymbol

Keller, Dachböden, Garagen und Kammern werden im Laufe der Zeit wie von Geisterhand zu Museen verdinglichter Familien-­Biografien: Souvenirs, Bücher und DVDs, nicht mehr benutzte Spielzeuge und Sportgeräte, Haushaltsdinge, Unterhaltungselektronik, Kisten voller Erinnerungen und ungewollter Geschenke erzählen aus dem Leben von Hausbewohnern. Am Spieltisch Platz versenkt! werden sie zum Spielmaterial. Das Prinzip von Gewinnen und Verlieren scheint Kopf zu stehen. Es geht nicht um noch mehr, noch bessere, noch schönere Dinge, sondern um ein viel knapperes Gut: um Platz. Erfolgreich ist, wer dem Gegner seine überflüssigen Dinge unterschiebt. Ein Lebensentwurf wird erprobt, der Nichthaben als Statussymbol kultiviert.

Ausstellungskontext

Niedersächsisches Freilichtmuseum

Platz versenkt! ist einer von vier Spieltischen, die speziell für die Ausstellung 4 Wände. Von Familien, ihren Häusern und den Dingen drumherum. Das Einfamilienhaus in Deutschland seit 1950 entwickelt wurden. Die Ausstellung entstand im Rahmen des BMBF-Forschungsverbunds Der Lauf der Dinge oder Privatbesitz? Ein Haus und seine Objekte zwischen Familienleben, Ressourcenwirtschaft und Museum im Forschungsprojekt FamiliensacheN. Das Haus und seine Ausstattung im historischen Vergleich. Sie läuft noch bis zum 31. Januar 2019.

Ausgewählte Tischdetails

Archiv alltäglicher Dinge

100 häufige Gegenstände in deutschen Einfamilienhäusern. Die Auswahl beruht auf Begehungen, Interviews und Statistiken. Je größer ein Gegenstand, desto mehr Platz nimmt er auf dem Spielfeld ein. 

Fiese Dinge-Vermehrer

Kaufrausch, Zeitgeist und Tante Trude sind Joker, mit denen sich die Dinge des Gegners gegen seinen Willen vermehren lassen. Wer gleich mehrmals auf sie trifft, kommt in akute Platznot. 

Kampf um die letzten Freiräume 

Die uneinsehbaren Freiräume auf dem Grundriss des Gegners müssen ausfindig und mit Dingen besetzt werden. Der symmetrische Aufbau der Installation unterstützt den kompetitiven Charakter.


Spielkonzept & Spieldesign goolin. Daniela Kuka
Gestaltung der Spieltische Roman Roth & Philipp Hohmann
Produktion mit Museumsdorf Cloppenburg