»FOUL!«

Spiel/Workshop zum Thema Diskriminierung in der Arbeitswelt


FOUL! ist ein kompetitives Lernspiel mit halbfiktionalem Inhalt. Es wurde für Teamende und Jugendbildungsreferent*innen zum Einsatz in der politischen Jugendbildung zum Thema Diskriminierung in der Arbeitswelt entwickelt.

Im Sport bezeichnet man ein schlechtes, schmutziges oder regelwidriges Verhalten als „Foul“. Reale Fallgeschichten belegen, dass sich Menschen auch außerhalb der Spielwelt „foulen“. Zum Beispiel in der Arbeitswelt. Aufgrund von bestimmten Merkmalen und den sich daran knüpfenden Vorurteilen, Klischees und Gerüchten. Manchmal sind Strukturen gewachsen, die „Fouls“ begünstigen.


Während es im Sport nun Schiedsrichter und Mechanismen zur Sanktionierung und zum nachträglichen Chancenausgleich gibt, sind wir in der realen Welt auf das Verantwortungsgefühl und die Handlungsbereitschaft jedes Einzelnen angewiesen, um „Fouls“ sichtbar zu machen und die Verteilung von Chancen gerecht(er) zu gestalten. Das Bewusstsein dafür zu stärken, ist eines der Ziele des Spiels.

Gespielt wird ein Kamelwettrennen. Dromedare, Trampeltiere und Lamas treten gegeneinander an. Die Route führt durch 10 verschiedenen Etappen, die reale Berufswelten widerspiegeln (Goldmine für Untertagebau, schwere körperliche Arbeit und Bauarbeit, Basar für Einzelhandel, Verkauf, Service und Kundenkontakt, Energiepark für Technologie, Fabriken, Forschung und Entwicklung usw.). Das Spielprinzip verführt die Spielenden, das eigene Vorankommen zu beschleunigen oder eigene Misserfolge auszugleichen, indem sie gegnerischen Kamelen gezielt Nachteile verschaffen. 


Die Gewinnchancen eines Kamels werden durch die Anzahl der Würfel angezeigt, die es pro Runde werfen kann, um in Richtung Ziel voran zu kommen. Logisch: Je weniger Würfel, desto weniger Schritte kann man gehen – und desto weniger Chancen hat man auch, das Spiel zu gewinnen. Durch das gezielte Ausspielen von FOUL!-Karten verliert das „gefoulte“ Kamel einen Würfel, während der eigene Würfelvorrat unangetastet bleibt. Jedenfalls, solange nicht „zurückgefoult“ wird... Hat man Pech beim Kartenziehen oder verbünden sich zwei Kamele gegen die eigene Art, hängt man bald buchstäblich fest. Ständig gelangt man auf ein Gegenwind-Feld – und um es verlassen zu können, braucht man... viele Würfel.  Ein Teufelskreis! Der Stress-Level steigt. 


Den Ausschlag, gegen welches Kamel eine FOUL!-Karte ausgespielt werden kann, geben bestimmte, an reale Diskriminierungsmerkmale angelehnte Eigenschaften wie Fellfarbe, Statur, Anzahl der Höcker, Herkunftsland, religiöse Zeichen und Praktiken, Geschlecht / soziale Lebensform, Sprache, Name, Geschichte, Vorteile, Klischees u.v.m. 


Die sich im Spiel zeigenden Dynamiken sind dabei realen sozialen Dynamiken nachempfunden und werden im Anschluss an eine Spiel-Session mit den Teilnehmenden reflektiert. Das Prinzip stützt sich u.a. auf wissenschaftliche Studien zu Diskriminierung als „Self-fulfilling Prophecy“. Für jede*n Spielende*n ist deutlich spürbar, wie sich viele „Fouls“ gegen die eigene Kamelart auf das eigene Selbstbewusstsein beim Würfeln – und (zumindest gefühlt) auch auf das Würfelergebnis! – auswirken. Auch die Bereitschaft, eine KONTERFOUL!-Karte auszuspielen, um einem anderen Kamel zu helfen, ist stark vom Frustrations- und Misstrauensgrad durch vorausgehende Diskriminierungserlebnisse im Spiel abhängig.


Dabei basieren auch die Texte auf den FOUL!-Karten – in kreativer Übersetzung – auf realen Fallgeschichten, die im Vorfeld erhoben wurden. In Berufswelten, in denen Diskriminierungsfälle besonders häufig vorkommen (z.B. starke Diskriminierung in den Bereichen Bau, Verkauf, Service, aber weniger Diskriminierung im Bereich Forschung), ist es auch im Spiel wahrscheinlicher, von einer FOUL!-Karte getroffen zu werden. Die Inhalte der Karten werden in erweiterten Übungen nach der Spiel-Session zugleich zum Aufhänger für die Teilnehmenden, über eigene Diskriminierungserfahrungen zu sprechen, diese mit den Spielerlebnissen in Relation zu setzen und sich auf aus ihrer Sicht gerechtere (Spiel-)Regeln zu einigen.



Idee, Konzept, Inhalt goolin. Daniela Kuka
Redaktionelle Unterstützung Fachgruppe „Gute Arbeit und Bildungsgerechtigkeit“ / BAK Arbeit und Leben
Illustration und Gestaltung goolin. Daniela Kuka
Schachtelgestaltung Doris Busch
Produktion Yoda Zhang

im Auftrag von Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben e.V.
Gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP)